INMOTION - JULI 2018

Erstklassiges Design drängt sich nicht auf. Das neue Feingefühl: Die Küchenmöbel selbst zeig- ten sich in diesem Jahr zurückhaltender. Die aus- drucksvolle orientalische Ornamentik der letzten EuroCucina ist komplett verschwunden; der von Trendscouts prognostizierte Afrofuturismus wie- derum ist noch nicht in der Küche angekommen. Stattdessen gaben sich die Hersteller dezent: Grif- fe zum Beispiel waren kaum mehr zu sehen – und wo man sie sah, wirkten sie plötzlich altmodisch. Stattdessen gab es Griffleisten in allen möglichen Varianten. Dass die Küchenmöbel sich zurück- nahmen, um Raum für ihre Nutzer zu lassen, heißt aber nicht, dass die Designer untätig waren. Im Gegenteil: Bei größeren Flächen wurde mit verti- kalen Strukturen Spannung aufgebaut. Mit einer Mischung aus massiven und filigranen Elementen wurde die Küche spielerischer. „Diese Ambivalenz der Bauteile lässt alles leichter wirken“, so Harald Klüh. „Während die Oberschränke durch Regale ersetzt werden, kommen die Unterschränke hoch. Die Küche scheint zu schweben.“ Verborgene Technik ermöglicht konsequente Möbelkonzepte. Einige dieser Trends werden sich in zwei Jahren er- übrigt haben. Trotzdem: Das Bild der Küche, das sich seit der modernen Einbauküche kaum verän- dert hat, ist im Umbruch. Es lernt von der Gestal- tung des Wohnbereichs. Es wird wohnlicher, be- haglicher, erinnert weniger an Küchenarbeit. Diese Transformation funktioniert nur durch ein harmoni- sches Miteinander von Design und Technik: Auf der einen Seite halten Wohnzimmermöbel wie Bücher- regale Einzug in der Küche und verändern den Cha- rakter des Raums fundamental. Auf der anderen Seite sorgen Bewegungs-Systeme und Stauraum- konzepte dafür, dass die wohnliche Anmutung der Küche nicht durch technische Geräte oder funktio- nale Komponenten geschmälert wird. „Technik wird immer intelligenter, die Funktionen immer komfor- tabler – sind dabei aber immer weniger sichtbar“, so beschreibt der Marketingleiter von GRASS, Andreas Marosch, seine Eindrücke. „War es lange Zeit ange- sagt, zu zeigen, was man hat, geht die Entwicklung jetzt in Richtung Understatement. Und zwar in ein Understatement zugunsten der Wohnlichkeit.“ DIE TRENDS DER EUROCUCINA 2018 IM ÜBERBLICK DIE BEREICHE VERSCHMELZEN: DIE KÜCHE IST DAS NEUE WOHNZIMMER. ES WIRD TRANSPARENT: OFFENHEIT BEHERRSCHT DAS BILD. ALLES WIRD SICHTBAR. ACCESSOIRES MACHEN DEN RAUM: „ INBESITZNAHME DURCH EIGENEN CONTENT.“ DIE NATUR EROBERT DIE KÜCHE: MIT KRÄUTERGÄRTEN UND NATURMATERIALIEN. SOLITÄRE STATT KOMPLETTKÜCHEN: EINZELTEILE SORGEN FÜR FLEXIBILITÄT. DER GRIFF IST VERSCHWUNDEN: VERDECKTE LEISTEN ALS ERSATZ. VERTIKALE STRUKTUREN: SORGEN FÜR SPANNUNG AN DER OBERFLÄCHE. ES GEHT WENIGER MASSIV ZU: INSELN KOMBINIEREN FILIGRAN UND MASSIV – UND WIRKEN SCHWEBEND. Wohnmobiliar oder Küche? Ausstellung des Traditionshauses Cesar aus Venetien. Accessoires gestalten den Raum. Transparenz ist bei Fendi allgegenwärtig. IN MOTION . DAS KUNDENMAGAZIN. Seite 2/3

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